Bernau braucht ein neues Rathaus

Publiziert am 12. Nov 2016 in Artikel

Bernau braucht ein neues Rathaus

Ich unterstütze die Mehrheitsentscheidung der Stadtverordneten von Bernau für den Bau des neuen Rathauses. Bernau ist eine wachsende, lebendige, sich gut entwickelnde Stadt. Die Einwohner*innen-Zahl hat sich seit 1990 mehr als verdoppelt Viele junge Familien entscheiden sich dafür, in unserer grünen und lebenswerten Stadt ihren Wohnsitz zu nehmen. Bald werden wir 40.000 Einwohnerinnen und Einwohner haben – Tendenz steigend.

Priorität hatten und haben deshalb bisher die Investitionen in die soziale Infrastruktur und damit in die Zukunftsfähigkeit unserer wachsenden Stadt. Im Vordergrund stand und stehen die Sanierung und der Neubau von Schulen und Kindertagestätten, Sporthallen und Sportplätzen. Mehr als 50 Mio. Euro wurden und werden dafür investiert. Allein der Neubau des Schul-Komplexes in Schönow kostet 12 Mio. Euro, die neue Kita an der Viehtrift 3,6 Mio. Weitere werden folgen.

Mit dem Bau des neuen, barrierefreien Rathauses folgt eine Investition, die seit Jahren angedacht und geplant war. Die Entscheidung für Bau haben sich die Stadtverordneten nie leicht gemacht. Bereits seit 2003 wurden Vorstellungen, Standorte und Pläne entworfen, kontrovers diskutiert und wieder verworfen. Heute könnte man meinen, vielleicht wurde zu lange gezögert.

Bernau braucht ein zentrales, barrierefreies Gebäude in der Innenstadt. Die Verwaltung der Stadt ist heute an sieben Standorten, verteilt über die ganze Stadt, untergebracht.

Ich gehörte zu den Stadtverordneten aus vier Fraktionen, die Anfang 2013, nach dem Scheitern des ersten Planungswettbewerbes, eine erneute vergleichende Standortanalyse forderte. Die Mehrheit der Stadtverordneten folgte im Herbst 2013 nach intensiver Debatte der Empfehlung der Gutachter und lobte im Juni 2014 einen neuerlichen Planungswettbewerb für den Standort Bürgermeisterstraße aus. Diese Mehrheitsentscheidung habe ich schließlich akzeptiert.

In den Ausschreibungsunterlagen vom Juni 2014 wurde ein Kostenrahmen von 9,8 Mio. vorgegeben. Den 14 teilnehmenden Architektenbüros wurde auferlegt, diesen Kostenrahmen einzuhalten. Doch schon bei der Vorprüfung der eingereichten Arbeiten durch das Peisgericht wurde festgestellt, dass das Baukostensoll für die technische Gebäudeausrüstung in Höhe von 1,5 Mio. Euro nur rudimentär geschätzt ist und bei der Ausführungsplanung voraussichtlich mit höheren Kosten zu rechnen sei. Dies bestätigt sich heute. Mit jedem Planungsschritt wird die Kostenschätzung präziser. Die Technische Gebäudeausrüstung – also Energie-, Wasserversorgung, Heizung, Lüftung, Medienversorgung – wird nach der vertiefender Planung rd. 4 Mio. Euro kosten.

Dass die 2016 vorgelegte detaillierte Planung und Kostenrechnung für das neue Rathaus insgesamt auf einen Wert von 15,8 Mio. Euro kommt, hat also Gründe, die nichts mit Luxus zu tun haben. Mit 1.598 €/m² liegen die Kostenkalkulationen für Bauwerk und technische Gebäudeausrüstung und auch die Kosten für das Gebäude insgesamt mit 2.290 €/m² heute durchaus im mittleren Bereich für Neubauten. Deshalb hat sich eine große Mehrheit der Stadtverordneten im Oktober entschlossen, die Planung und den Bau des modernen Verwaltungszentrums in dem jetzt vorliegenden Rahmen fortzusetzen.

Welchen Gewinn hätten die Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger davon, wenn die Planung und das Bauvorhaben durch Bürgerentscheid nochmals gestoppt oder in Frage gestellt werden? Verloren wären rund 1,9 Mio. Euro, die bisher schon für Wettbewerb, Planung, Prüfung, Gutachten usw. ausgegeben wurden. Verloren wären möglicherweise auch rd. 1,9 Mio. Euro bereits bewilligter Fördermittel aus dem Programm Attraktive Stadtzentren.

Und ein modernes Verwaltungs- und Bürgerzentrum für unsere wachsende Stadt erst nach 2020 zu bauen, macht noch weniger Sinn und die Sache bestimmt nicht preiswerter.

Margot Ziemann, sachkundige Einwohnerin im Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr

2 Kommentare

  1. Sehr guter Artikel. Jeder halbwegs vernünftige Rathausneubau wird mit jedem Jahr Bauverzögerung teurer. Seit 2010 steigen die Baukosten für Bürobauten jährlich zum III. Quartal. Für 2016 sind das ca. 16%.

  2. Bin nicht dumm.
    In der letzten Stadtverordneten Versammlung wurde leider der Bürger oft als Unwissend hingestellt. Das ist ein Ding. Als Meister, mit 40 Jahren Berufserfahrung in der Aus- und Weiterbildung, als Selbständiger und Hausbauer ist das schon bemerkenswert. Ich habe gegen das Rathaus gestimmt und tue es immer noch. Grundsätzlich bin ich für mehr direkte Demokratie. Ich habe so meine Probleme damit, einmal meine Stimme zu vergeben und das war es dann. Seit dem Fiasko mit dem BER wird man sensibler gegenüber Kostenexplosionen. Es wird das Argument verwendet, das Rathaus ist für den Bürger. Wenn ich so zurück blicke, dann war ich in 20 Jahren vielleicht 3 Mal im Rathaus. Letztens im Einwohnermeldeamt, um einen neuen Personalausweis zu beantragen. Für diesen einen Ausweis muss ich insgesamt 3 Mal in die Stadt. Passfoto, Beantragung, nach 3 Wochen Abholung. Ich dachte mir, das Einwohnermeldeamt ist doch gar nicht so schlecht ausgestattet? Großes, offenes Büro, angenehme Atmosphäre. Ich hoffe, wenn es um neue Arbeitsplätze in einem neuen Rathaus geht, dann hat der Mitarbeiter Mitspracherecht in der Ausgestaltung des Arbeitsplatzes. Für mich als Bürger, mündigen, intelligenten Bürger bringt ein neues Rathaus eigentlich vom Kosten Nutzen Effekt fast nichts, oder zu wenig. In der fortschreitenden Digitalisierung wird hoffentlich Vieles von zu Hause regelbar sein. Solange ich aber wichtige Dinge in Eberswalde erledigen muss, wie Finanzamt oder der Zulassungsstelle oder der Rentenberatung, solange lasse ich mir nicht einreden, dass ich angeblich ein neues Rathaus brauche. Ich brauche es nicht. Das Bestehende modernisieren, oder ein Neubau in einem Kostenrahmen für 16 Millionen kann ich noch akzeptieren. Alles andere ist für mich Verschwendung. Die Diskussion ist gut. Sie ist wichtig, weil Steuergelder verwendet werden, weil Schulen in der Ausstattung oft miserabel sind, weil viel zu viele nur satt werden durch die Tafel usw. Wo war die Aufklärung des Bürgers? Wie ist der Dialog mit dem Bürger. Ist er zeitgemäß und richtig? Ich bin so stolz auf mein Land, die Demokratie, die Leistungsfähigkeit, die Empathie, die Jugendlichen, die durch Petitionen versuchen, was zu verändern. Auf Politiker wie Gysi und Wagenknecht. Ich bin nicht dumm, aber skeptisch, wenn Kosten explodieren, der Kosten/ Nutzen Effekt nicht gegeben ist und ich einfach nicht gefragt werde.

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